Barhufpflege nach Natural Hoofcare (NHC) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thiemo Kellner   
Sonntag, den 29. August 2010 um 08:39 Uhr

Die Barhufpflege nach Natural Hoofcare (NHC) hat das Ziel, den Pferdehuf so gesund und leistungsfähig wie den eines gesunden wild lebenden Pferdes zu bekommen oder zu erhalten. Das Vorbild des "Wildhufes" wird auch von verschiedenen anderen Barhufpflege-Schulen als Ideal angesehen. Einige Schulen schnitzen den Huf des Pferdes zurecht, so dass er möglichst aussieht wie ein Huf eines wild lebenden Pferdes, gleichgültig, ob der Huf von seiner inneren Struktur und Gesundheit schon in der Lage ist, diese äußere Form zu haben, ohne dabei seine Funktion nur mit Schmerzen und dadurch vermutlich unzureichend erfüllen zu können. NHC hingegen schafft die Voraussetzungen und gibt von außen Impulse dafür, dass sich der Huf selbst heilt. Wir haben bei NHC zwar Standardmethoden, wenden diese aber nicht Kopflos an. Pferde sollen bei uns individuell behandelt und nicht über denselben Leisten geschlagen werden.

Als wichtige Voraussetzung für gesunde Barhufe sind zu nennen:

  • Das Pferd bewegt sich die meiste Zeit des Tages und das im Schritt. Das heißt nun aber nicht, dass wenn es sich in den wenigen Ausnahmefällen schon mal bewegt, das das im Schritt sein soll, sondern dass es sich ganz viel bewegt. Ideal ist, wenn es sich über den Tag 15 bis 30 km bewegt. Siehe auch in den häufig gestellten Fragen.
  • Das Pferd ist in einer in ihrem Kern stabilen Herde aufgehoben. Alles andere bedeutet für das Pferd mehr oder minder Stress.
  • Das Pferd hat den ganzen Tag gutes Heu frei zur Verfügung. Frei zur Verfügung heißt aber nicht, dass es einem Staubsauger gleich das Heu nur so in sich hinein saugen kann, sondern, dass es wann immer es möchte, Heu fressen kann, die Aufnahmegeschwindigkeit aber beschränkt wird. Siehe auch in den häufig gestellten Fragen.
  • Das Pferd erhält der Arbeit angemessenes Kraftfutter in Form von Hafer. Dies nie auf nüchternen Magen und vorzugsweise nach der Arbeit. Siehe auch in den häufig gestellten Fragen.
  • Dem Pferd werden die auf seine Bedürfnisse abgestimmten Mineralstoffe gegeben.
  • Das Pferd erhält bedarfsgerecht Eiweiß im Futter. Die Insekten, welche es im Heu zufälligerweise mit aufnimmt, zählen nicht! Insbesondere ausreichend Lysin zuzuführen ist sehr wichtig.
  • Nicht invasive Bearbeitung des Hufes.
  • Das Pferd lebt auf Boden, der ähnlich schwierig und "aggressiv" ist, wie der schwierigste und "aggressivste", auf welchem es geritten oder gefahren werden oder sonst wie arbeiten soll.
  • Phasen, in welchen das Pferd doch fühlig geht, sollten mit Hufschuhen überbrückt werden.


Um mich in ein Pferd besser einfühlen zu können, habe ich mir folgendes überlegt:

  • Wenn bei der Hufbearbeitung zu viel vom Sohlenhorn entfernt wird, ist das so, als würde ich mir die Schuhe ausziehen. Wenn ich dann neben einem so behandelten Pferd über einen Schotterweg ginge, würden wir wohl auf verblüffend ähnliche Weise über die Steinchen eiern, fühlig gehen.
  • Ein Pferd ist ein Fluchttier. Wenn ihm auch nur ein Huf schmerzt, dann ist es bei einer allfälligen Flucht stark behindert und das spürt das Pferd sehr gut bevor es flüchten muss. Es steht also immer unter Stress, wie als ich als Kind mit meiner Platzangst unter der Bettdecke fest gehalten wurde. (Spannend, wie an sich nicht schöne Erlebnisse, gutes bewirken können!)
  • Pferde sind auch nur Menschen - genau so wie diese und jedes andere Lebewesen darauf ausgerichtet, viel Energie bei sich selbst zu sparen. Leider kann es wohl nicht wie der Mensch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass ausreichend Bewegung sehr wichtig für seine Gesundheit ist. Mark Rashid erzählt in einem seiner Bücher das Gleichnis von den zwei jungen Kaninchen, welche spielten und eines davon viel lebhafter als das andere. Auf ein Mal kommt ein Fuchs und jagt die beiden. Schlieſlich gelingt es ihm, das erschöpftere von beiden zu erlegen. Und Jamie Jackson stellte in seinen Beobachtungen von vom BMI gefangen gehaltenen Mustangs fest, dass deren Huf innerhalb weniger Wochen sehr schlecht wurden, weil sie das Heu immer an dieselbe Stelle bekamen und so dort einfach auf die nächste Fuhre warteten (Paddock Paradise).
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 19. Juli 2012 um 20:32 Uhr