Hufrehe (Hufkrankheit) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thiemo Kellner   
Donnerstag, den 05. August 2010 um 20:03 Uhr

Die Hufrehe (englisch: founder bzw. laminitis) ist eine durch gefäßverengende Substanzen hervorgerufene Unterversorgung der Wandlederhaut, welche zu Entzündungen und Gewebe-Absterben (Nekrosen) in der Lamellenlederhaut führen kann. Sie beginnt in aller Regel im Zehenwandbereich, kann sich aber auf die gesamte Lamellen- und Kronlederhaut ausdehnen. Anfangs lediglich ein schmerzhafter Prozess, löst sich die Verbindung wieder beginned im Zehenbreich (höchste mechanische Belastung ist dort) zwischen Horn und Haut. Dies verschlimmert die Schmerzen noch erheblich.

DIe Hufrehe kann in 4 Grade anhand der Lahmheit eingeteilt werden.

  1. Im Schritt lahmfrei, im Trab kurzer und steifer Gang. Im Stand werden die Vorderhufe abwechselnd entlastet.
  2. Der Schritt ist steif aber noch willig. Anheben eines Hufs ist nicht problematischer als gewohnt.
  3. Bewegung nur sehr widerwillig. Heftige Gegenwehr, einen Fuß anzuheben.
  4. Das Pferd ist nur durch starken Zwang oder gar nicht zu bewegen. Möglicherweise liegt es von sich aus hin und steht nicht wieder auf.

Im Verlauf einer Hufrehe kann der Huf schwerwiegende Veränderungen erfahren. Stadien sind in der Regel (3, 4 und 5 sind selten, wobei 5 unabhängig von 3 und 4 auftreten kann):

  1. Hufbeinrotation (Absenken der Hufbeinspitze)
  2. Hufbeinabsenkung (Absenken des gesamten Hufbeins)
  3. Hufbeindurchbruch (Auflösen des Sohlenhorns im Bereich der Hufbeinspitze, so dass die Lamellenlederhaut in Berührung mit der Aussenwelt kommt)
  4. Ausschuhen (die Hornkapsel löst sich komplett von der Lamellenlederhaut, so dass abfallen kann)
  5. Hufbeinabbau beginnend an der Spitze (durch lang anhaltende Überlastung der Spitze nach der Hufbeinrotation wird der Knochen zersetzt)

 

Anzeichen

Die Hufrehe ist ein Notfall!

  • (hochgradige) Lahmheit
  • Entlastung der Zehenspitzen im Stand und in der Bewegung (Trachtenfußung mit verzögertem Belasten der Zehenspitze)
  • Wenn die Hinterbeine nicht betroffen sind, werden sie unter den Körper gestellt, um Last von den Vorderbeinen zu übernehmen
  • Hufwand ist erwärmt
  • Pochende, stark pulsierende Zehenarterien
  • nach außen weisender Knick in der Hufwand, besonders im Zehenbereich (Weghebeln)
  • Mehr oder minder wulstig wachsendes Wandhorn
  • Zehenschwiele
  • Strahllänge zu kurz im Vergleich zur Länge des gesamten Hufs

 

Ursachen

Die Entzündung kann als Vergiftungsreaktion interpretiert werden, deren Ursachen vielfältig sein und meist zusammen in unterschiedlichen Gewichten auftreten können. Im Grunde handelt es sich um eine Zivilisationskrankheit.

  1. am häufigsten: ungeeignetes Heu zum Fressen (zu hohe Zucker- insbesondere Fruktangehalte (ein wasserlöslicher Zuckerkomplex), z. B. Heu für Kühe. Nicht der Zucker an sich ist problematisch, sondern die sich verändernde Zusammensetzung der Dickdarmflora.
  2. ungeeignete Weidegang: Gestresstes Gras kann sehr viel Fruktan enthalten. Gefährlich ist es dann, wenn Gras viel Licht für die Photosynthese hat, aber die umgesetzte Sonnenenergie nicht in Wachstum umsetzen kann, so dass es die Energie als Fruktan einlagert. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Nächte kalt (< 5 °C) sind, das Gras zu wenig Wasser bekommt oder es durch ständigen Tritt von Tieren gestört wird.
  3. ungeeignetes Kraftfutter mit hohen Anteilen an Nicht-Hafer-Getreide und/oder Melasse (Stärke und Zucker)
  4. zu viel Leckerli mit hohem Zuckeranteil, z. B. Brot, Melassiertes
  5. bei geschädigten Nieren und Leber in Verbindung mit zu viel Eiweiß im Futter (deswegen selten!). Früher hielten Wissenschaftler das Eiweiß für einen Hauptverursacher von Rehe, weil es in jungem Gras recht konzentriert vorkommt und Rehe vielfach beim Anweiden im Frühjahr auftrat. Mittlerweile hat man aber heraus gefunden, dass es in den meisten dieser Fälle das Fruktan ist, welches u. a. bei jungem Gras höher konzentriert ist. Leider tritt die Hufrehe nicht mehr fast nur im Frühjahr auf, sondern das ganze Jahr durch. Ein wichtige Ursache dabei ist, dass Pferde in der Regel mit dem Heu gefüttert werden, was die Milchkühe nicht mehr brauchen, und dass die für die Milchproduktion gezüchteten Gräser auf sehr viel Zucker und Eiweiß gezüchtet wurden (dt. Weidelgras) - Kühe sind viel tolleranter gegenüber Zucker in Bezug auf Rehe.
  6. andere Stoffwechselprobleme wie Insulinresistenz
  7. aufnehmen von Giften durch die Nahrung, Kunstdünger, Insekti- oder Herbizide, Giftpflanzen
  8. innere Vergiftung, z. B. bei Stuten, welche gerade gefohlt haben und bei denen nicht der gesamte Mutterkuchen nach der Geburt ausgestossen wurde
  9. Medikamente insbesondere Langzeitkortisone und Phenylbutazonderivate (wird u. U. als Schmerzmittel bei Hufrehe verabreicht!)
  10. mechanische Überlastung (dem Pferd bei zu geringem Trainingsstand zu viel Belastung in den Hufen zu gemutet; auch die Lamellenlederhaut-Wandhorn wird mit Training stärker)
  11. Aufnahme große Mengen kalten Wassers

 

Empfehlungen

  1. Geduld! Die chronische Hufrehe wird nur über Monate richtiger Pflege nach und nach wieder verschwinden, zumindest abgeschwächt, indem die Hufwand wieder parallel und stabil am Hufbein herab wächst.
  2. Ursache(n) finden und beseitigen
  3. Geduld! Die chronische Hufrehe wird nur über Monate richtiger Pflege nach und nach wieder verschwinden, zumindest abgeschwächt, indem die Hufwand wieder parallel und stabil am Hufbein herab wächst.
  4. Das Pferd so schmerzfrei und viel wie möglich bewegen. Besser viele kleine Einheiten über den Tag als lange Spaziergänge. Wenn es unsicher ist, ob das Pferd noch mehr Bewegung verkraften kann, dann kann es das vermutlich nicht. Jedenfalls ist es das Risiko eines Rückfalles nicht wert. Wenn das Pferd auf dem Spaziergang sich weigert weiter zu gehen, Pferdeanhänger holen und zurückfahren.
  5. Geduld! Die chronische Hufrehe wird nur über Monate richtiger Pflege nach und nach wieder verschwinden, zumindest abgeschwächt, indem die Hufwand wieder parallel und stabil am Hufbein herab wächst.
  6. Sojaschrot (u. U. Futtererbsen) als Eiweißlieferanten füttern. Abstimmen mit Stoffwechselproblemen ist wichtig.
  7. Geduld! Die chronische Hufrehe wird nur über Monate richtiger Pflege nach und nach wieder verschwinden, zumindest abgeschwächt, indem die Hufwand wieder parallel und stabil am Hufbein herab wächst.
  8. Bei Bedarf können Dinkelspelzen das Futter strecken. Es gibt auch ungereinigte.
  9. Geduld! Die chronische Hufrehe wird nur über Monate richtiger Pflege nach und nach wieder verschwinden, zumindest abgeschwächt, indem die Hufwand wieder parallel und stabil am Hufbein herab wächst.
  10. Mineralfutter ergänzend einsetzen (ideal ist die genaue Kenntniss von tatsächlichem Pferdegewicht und von u. U. daraus abgeleiteter Vermutung des Idealgewichtes, der Inhaltsstoffe und Füttermenge des Futters)
  11. Geduld! Die chronische Hufrehe wird nur über Monate richtiger Pflege nach und nach wieder verschwinden, zumindest abgeschwächt, indem die Hufwand wieder parallel und stabil am Hufbein herab wächst.
  12. Nur Hafer als Kraftfutter – wirklich nur Hafer, wenn es denn wieder Kraftfutter braucht (auch zur Vorbeugung)

 

Quellen

  • Urban, D.: Lehrgang zum Barhufpfleger nach Natural Hoofcare, 2009
  • Urban, D.: Manuskript des Lehrgangs zum Barhufpfleger nach Natural Hoofcare, 2009
  • Kellner, S.: Manuskript zur Tierheilpraktikerausbildung, Zentrum für Weiterbildung, Commanderie de Sales, 2007
  • Stashak, T. S.: Adams' Lahmheiten bei Pferden, 1989, 4. Auflage
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 18. März 2013 um 22:35 Uhr